Insgesamt 230 Vertreterinnen und Vertreter aus der Medienbranche und Wirtschaft kamen vergangene Woche zum Dritten Medienkongress TV Komm. nach Karlsruhe. Diskutiert wurden unter anderen die Veränderungen des Nutzerverhaltens sowie die Medienkonvergenz als Herausforderung für alle Medien- und Kommunikationsverantwortlichen.
Eröffnet wurde der Kongress am 18. März mit der MediaNight. Dabei wurde der Nachwuchsförderpreis Campus-Media-Award an Annekatrin Schnurr und Felix Hentschel von der Hochschule für Musik Karlsruhe, Institut Lernradio verliehen. Markus Kavka erhielt den Innovationspreis “Menschen bewegen Medien”.
Am 19. März startete der Kongress mit der von kress-Chefredakteur Eckhard Müller moderierten Eröffnungsdiskussion zum Thema “Bewegung beim Bewegtbild”. Die etablierten Vertreter der Bewegtbildbranche diskutierten darüber, wer denn nun welche Inhalte herstellen und auf welchen Kanälen verbreiten dürfe. Stephan Bourauel, der Vertreter der Privaten Rundfunkanbieter und Verleger in Baden-Württemberg griff dabei das öffentlich-rechtliche System erneut für dessen Internetangebot an. Gerold Hug, Leiter der strategischen Unternehmensentwicklung des SWR konterte, dass es dem Zuschauer kaum vermittelbar sei, warum mit seinen Gebühren finanzierten Inhalte, nicht oder nur kurzzeitig im Netz zu finden sein sollen.
CTVA-Vorsitzender Dr. Nikolai A. Behr vertrat auf dem Einführungspanel die These, dass die Bedeutung von Corporate TV in den nächsten Jahren weiter steige. Vor allem in mittelständischen Unternehmen findet zur Zeit ein Umdenken statt. Unternehmen werden künftig zunehmend als Content-Produzenten auftreten und somit die Aufgaben der TV-Sender übernehmen. Ihnen liegt der Service-Gedanken zum Teil näher, als den Verlagen und Sendern, die den Service zugunsten der Rendite oft hinten anstellen. Behr: “ Man sollte nicht immer versuchen, aus jedem Service auch ein Profitcenter zu machen. Das ist zu kurzfristig gedacht.”
Lars Reckmann, Geschäftsführer vom CTVA-Mitglied Bavaria Film Interactive GmbH (BFI), referierte über “Unternehmen und Marken als Programmanbieter der Zukunft”. Dabei ging er unter anderem auf die Wirkung bewegter Bilder im Internetzeitalter und den strategischen Wert eines ganzheitlichen Bewegtbild-Konzeptes ein. Auch er bekräftigte in seinem Vortrag die These, dass künftig die Unternehmen als Content-Anbieter ein größere Bedeutung erhalten.
Ebenfalls mit dem Thema Corporate TV beschäftigte sich Hermann Orgeldinger. Mit seiner “Orgeldinger Media Group” und der Tochterfirma “all4radio” gehört er zu den größeren Audio-PR-Agenturen in Deutschland. Auf der TV Komm. referierte er über die Banken im Wandel am Beispiel der Sparda-Bank Baden-Württemberg. Diese bietet Corporate-TV am Point of Sale an und reagiert damit auf das veränderte Kundenverhalten, das unter anderem durch Telefon-Banking und Online-Banking hervorgerufen wird.
Dirk Nolde von der Berliner Morgenpost zeigte in seinem Vortrag, wie die Lokal-Redaktion mit der Flip-Cam und dem iPhone Leser zu Video-Reportern im Internet macht. Er geht davon aus, dass sich Printmedien von der Aktualität lösen müssen, da sind die elektronischen Medien schneller. Bei Webauftritt ist die Zusammenarbeit mit und die Einbindung von sozialen Netzwerken entscheidend. Verweise auf Blogs,YouTube-Videos und Twitter-Themen stehen bei der Morgenpost gleichberechtigt neben redaktionellen Beiträgen. Dabei hat die Redaktion auch kein Problem, Inhalte von Dritten mit einzubinden und dem User nahezubringen.
Die TV.Komm 2010 hat gezeigt, dass sich die Medienbranche, auch durch die neuen Möglichkeiten der Bewegtbildkommunikation, im Umbruch befindet. Neben TV-Sendern, Kabel- und Satelliten- Anbietern und Internetportalen nutzen auch immer mehr Unternehmen Bewegtbilder zur zielgruppen-orientierten Kommunikation und treten damit im Markt verstärkt als Content-Produzenten und -provider auf.
Lars Reckmann (Geschäftsführer BFI)